Denkanstöße zur Behebung der innerstädtischen Drogenproblematik

Die mediale Berichterstattung über die unhaltbaren Zustände am Neumarkt und die Ausführungen des Polizeipräsidenten Johannes Hermanns im Kölner Stadt-Anzeiger führen gegebenenfalls auch durch die anstehenden Kommunalwahlen zu neuen Reaktionen in Politik und Verwaltung.

Die Zustände im Neumarktumfeld sind nicht mehr wegzudiskutieren und nicht mehr schönzureden.

Die Sicherheit der Bevölkerung kann, laut Aussagen des Polizeipräsidenten, nicht mehr gewährleistet werden und deshalb appelliert er den Drogenkonsumraum zu verlegen.

Die vor diesem Hintergrund entfachte Diskussion über Lösungen begrüßen wir ausdrücklich.
Müssen aber feststellen, dass alle bis dato geäußerten Optionen in Bezug auf Standorte, beziehungsweise grundsätzlich neue Ansätze von Hilfsangeboten, langfristige Lösungen darstellen.

Aufgrund der unstrittig desolaten Situation müssen seitens der Politik aus unserer Sicht kurzfristig parteiübergreifend Ziele definiert werden, die unter der Überschrift stehen: Reduzierung der sichtbaren Drogenszene unter Wahrung sowohl rechtlicher als auch humanitärer Aspekte und dem Recht der Anwohner auf angstfreie Nutzung des öffentlichen Raumes.

Dieses Ziel muss überparteilich, unabhängig von Wahlergebnissen über alle Parteien umgesetzt werden, bis andere langfristige Lösungen zum Tragen kommen.

Ein Anschreiben, dass uns am Freitag von einer Anwohnerin mit selbsterklärendem Inhalt erreichte, fügen wir in der Hoffnung an, dass alle die Köln lieben, diese Stadt wieder zu einer Stadt mit Gefühl machen.

Für den Gesamtvorstand
Walter Schuch

Hallo, hier spricht Kölle:
„Mir stinkt’s. Der Geruch ist unerträglich. Es riecht nach „Pisse“.
Ich bin so schmutzig, das wäscht auch der nächste Regen nicht weg.
Liebe Politik, ich brauche Eure Hilfe, ich war mal Kölle mit Jeföhl.
Jetzt bin ich Hölle im Jewöhl.
So komm ich nicht mehr klar.
Seit Wochen wird nun über meinen Zustand berichtet.
Aber ich versinke weiter in Drogen und Kriminalität.
Belagert von brabbelnden, verschmutzten Gestalten, die jegliche
Kontrolle über ihr Verhalten verloren haben. Ihre Körper übers.t mit
offenen Wunden, das Gehirn von chemischen Substanzen zersetzt.
Ich weine. Um mich, das hab ich nicht verdient. Und meine
BewohnerInnen erst recht nicht. Sie waren bisher ein Inselchen der
Toleranz und Leichtigkeit, statt dessen sind sie wütend und verzweifelt.
Sie rufen nach dem Staat. Er soll das regeln. Das macht mir Sorgen,
denn da der nichts tut, schreien die ersten schon nach einer
Bürgerwehr, die sie schützen soll. Oder sie wollen die Abhängigen auf
eine Insel verfrachten oder wegschliessen und das sind noch die
harmlosen Gedanken.
Was macht ihr?
Ihr schreibt Tipps auf eurer homepage und die sind so hilflos, da
verzweifle ich schon beim Durchlesen.
Ihr schickt die Polizei, das Ordnungsamt, aber das verändert (bisher)
nichts.
Es verlagert das Problem nur.
Ihr diskutiert über Konsumräume. In der Zwischenzeit werde ich zur
Zombietown. Die Zustände sind unterirdisch.
Alles findet öffentlich statt, der nächste Schuss, das Dealen, Crack
rauchen.
Ich will das nicht (mehr) sehen, es ist mir wirklich zu viel.
Die Ursachenforschung hilft mir aktuell nicht weiter, ich brauche auch
keine Studien, ich hab ja Augen im Kopf.
Ich suche nach einer Lösung, da alles aus dem Ruder läuft.
Liebe Politik, ihr habt den Schuss nicht gehört, aber ich hab ihn
gesehen, jeden Tag sitzen sie hinter einer Haustür, auf einer U-Bahn
Treppe und spritzen sich ihre Drogen oder falten das nächste
Stückchen Alufolie mit Crack. Sie schreien, und zerstören, nicht nur
sich, sondern auch ihre Umgebung.
Was macht das eigentlich mit Kindern und Jugendlichen, die daran
vorbei gehen und denken, das wäre normal.
Wir können so nicht weitermachen.
Es gab mal ein paar Alkis, ein paar Junkies, die gehörten halt dazu.
Was jetzt passiert, ist komplett außer Kontrolle geraten.
So kann hier niemand mehr wohnen.
Oder arbeiten.
Ihr wollt nach Olympia und bekommt noch nicht mal eure eigenen
Baustellen in den Griff.
Springt in die Startlöcher und tut etwas und zwar sofort.
Es ist schon lange nach 12.“
Dein Kölle, mit Jeföhl.